VOICES FOR CLIMATE ist die Vorlesungsreihe über die Klimakrise an der JGU Mainz. Spannend und interdisziplinär wird die Klimakrise aus verschiedensten Perspektiven, von den Naturwissenschaften, über die Geistes- und Sozialwissenschaften bis zu Kunst, Theologie und vielen mehr betrachtet. Das Besondere dabei? Wir schauen nicht nur auf den Status Quo, sondern wir setzen uns auch mit dem jetzt notwendigen Handeln auseinander.
Dabei helfen uns Wissenschaftler:innen unterschiedlichster Fachgebiete, die jeweils eine Sitzung zu einem selbst gewählten Schwerpunkt im Themenfeld Klimakrise, Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit gestalten. Jeden Vorlesungsabend starten wir außerdem mit einem künstlerischen Impuls. Dieses Mal reisen wir in die Zukunft und schauen, wie diese aussehen könnte, wenn wir jetzt handeln und die Klimakrise bewältigen würden.
Die einzelnen Vorlesungen der Reihe sind in ein inhaltliches Gesamtkonzept eingebettet und trotzdem einzeln und asynchron besuchbar. Live dabei sein, ob im Hörsaal oder im Livestream lohnt sich aber. Denn egal ob während der interaktiv gestalteten Inputs oder während der Diskussions- und Fragerunde mit den Referierenden – VOICES FOR CLIMATE bietet viele Möglichkeiten, um aktiv am Erlebnis teilzuhaben.
Die Vorlesungsreihe adressiert neben Studierenden vor allem die interessierte Bevölkerung. Dafür werden die Inhalte der Vorlesungsreihe so aufbereitet, dass sie auch für Personen ohne Vorkenntnisse verständlich sind.
Hinweis: Wir behalten uns mögliche Änderungen vor!
21.10.2024
In den letzten 50 Jahren ist der Ausstoß treibhausaktiver Spurengase wie Kohlendioxid enorm gestiegen,
mit der Konsequenz, dass die globale Mitteltemperatur um mehr als 1,5 Grad gestiegen ist. Die Natur ändert sich dramatisch, man spricht sogar von Kipppunkten. Die Wirkungen sind global spürbar, zu Lande, zu Wasser und in der Luft, für alle Lebewesen, auch und insbesondere für uns Menschen.
Wir haben allerdings den Vorteil der Wissenschaften, die von Natur und Mensch. Aus ihren Erkenntnissen können Empfehlungen werden und wir kommen vom Wissen zum Handeln. Eine der wichtigsten Ergebnisse der Forschung: Raus aus der Verbrennung von Rohstoffen, hinein in die Nutzung erneuerbarer Energien. Hierfür ist wichtig, möglichst schnell, möglichst viele Menschen zu gewinnen und sie zum Handeln zu bringen. Das könnte ein sozialer Kipppunkt sein. Bildung ist deshalb eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass diese große Herausforderung gelingt.
28.10.2024
Auf der Suche nach Lösungen für die Klimakrise stehen häufig der Konsument oder die Regierungen im Zentrum der Beobachtung. Ich möchte die Perspektive wechseln und Einblicke geben, welche Rolle die Akteure der Unternehmensführung spielen können. Im Einzelnen durchleuchten wir Motivationen und Handlungen von Managern, Aufsichtsräte und Eigentümern.
04.11.2024
Um kommenden Generationen gerecht zu werden, müssen wir Arten, Ökosysteme, Böden und Klima schützen. Dafür brauchen wir viel artenreiche, strukturreiche Flächen. Wie könnte eine solche nachhaltige Welt aussehen, in der die Grundbedürfnisse der Menschen langfristig befriedigt sind, und Klima, Ökosysteme, Artenreichtum stabilisiert sind? Niemand kann dies sicher beweisen, aber einige gut verstandene Aspekte sollen hier vorgestellt werden.
11.11.2024
Der Vortrag betrachtet die Klimakrise aus der Perspektive von Recht und Rechtsethik. Welche Pflichten treffen den Staat? Welche Rechte hat die Zivilgesellschaft? Welche Aktionen sind legitim?
18.11.2024
Obwohl die Klimakrise akut unsere Lebensgrundlagen bedroht, ist sie in der medialen Berichterstattung oft nur ein Thema unter vielen. Sara Schurmann vom Netzwerk Klimajournalismus und Prof. Dr. Oliver Quiring analysieren und diskutieren unterschiedliche Ursachen dafür – und wie Medien damit umgehen können.
25.11.2024
Wie kommt man vom Bewusstwerden über die Klimakrise zum langfristigen Handeln? Und was ist die Rolle von Bildung? Die Vorlesung gibt einen Einblick in die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Sie beschäftigt sich aus einer bildungspsychologischen Perspektive mit der Beschreibung der Stadien, in denen sich die Bereitschaft zum Handeln entwickelt und zeigt auf, welche konkreten Maßnahmen für die Unterstützung der Entwicklung in den verschiedenen Stadien wirksam sind.
29.11.2024 um 13:00 – 14:30 Uhr (Ort: C01 – Hörsaal Chemie – Schulz-Horner-Gebäude)
Die Klimakrise betrifft alle Lebensbereiche; und sie übertrifft alle Fächergrenzen. Dabei ist die Grundlage der globalen Aufheizung vergleichsweise einfach: Physik und Chemie. Am 29.11.2019 ging es in einer Sondervorlesung im Rahmen der Aktion #LecturesForFuture an der Uni Mainz eben darum: die physikalisch-chemische Grundlage der aktuellen globalen Erhitzung; und ihrer Folgen. Zum fünfjährigen Jubiläum wird diese Vorlesung am 29.11.2024 neu aufbereitet. Wieder geht es um die Physikalische Chemie des Klimawandels. Und um vieles mehr, das daraus folgt. Auch um das, was sich seit 2019 verändert hat; inklusive für uns selbst.
02.12.2024
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Krankheitsspektrum stark verändert. Nicht übertragbare Erkrankungen dominieren die weltweite Krankheitslast. Eine verschmutzte Umwelt und ein sich änderndes Klima lassen die Zahl vor allem kardiovaskulärer Erkrankungen in die Höhe schnellen. »In einigen Jahren werden Klima- und Umweltfaktoren klassische Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen in ihrer Bedeutung ablösen«, prognostiziert Professor Dr. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Der Umweltkardiologe geht davon aus, dass zwei Drittel der chronischen, nicht übertragbaren Krankheiten auf die Summe aller Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung ebenso wie Stress durch Lärm, Licht oder Hitze zurückzuführen ist.
09.12.2024
Literatur kann unterhalten, Gefühle transportieren und Wissen vermitteln, sie kann aber Gefühle auch historisieren und neues Wissen hervorbringen. So ist Literatur stets auch ein Experimentierfeld, in dem Fakten und Fiktionen, Geschichte und Geschichten verhandelt werden, um Zukunft gestalten zu können. Gibt sie Auskunft über die Geschichte derVisions for Climate, so etwa darüber, wie literarische Texte ganzheitliche Auffassungen von Natur entwerfen, Möglichkeiten planetarischen Denkens ausloten oder versuchen, dem Mehr-als-Menschlichen eine Stimme zu geben. Um dies zu analysieren, helfen methodische Ansätze der Environmental Humanities, zu denen auch die Animal und Plant Studies oder der Ecocriticism gehören. Sie ermöglichen es u.a. Konzepte einer anthropozänen Literatur zu diskutieren, literarische Gattungen nach ihrem Verhältnis zur Ökologie zu befragen, oder die Spezifik des ökologischen Denkens in unterschiedlichen Literaturepochen zu erforschen. An exemplarischen literarischen Texten wirft mein Vortrag einen Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Romantikern, Hippies und Klimaschützern und lädt dazu ein, sich auf die Spurensuche ihrer Visions for Climate zu begeben.
16.12.2024
Die Pest wütete in Europa in der Zeit vom 14. – 17. Jahrhundert und verwüstete Land und Städte in einem Rhythmus von etwa 12 Jahren. Der Vortrag zeigt die Zeitreihen historischer Sterberegister im Kontext von Umweltinformationen aus Baumringen, Seesedimenten und Eiskernen. Pestjahre waren aber auch mit gesellschaftlichen Extremsituationen verbunden, Hunger, Krieg, Verfolgungen. Die Ursache der Pestzyklen wird bis heute kontrovers diskutiert; eine Analyse der Randbedingungen zeigt aber Strukturen, welche mit dem Wetter der Pestjahre direkt in Zusammenhang stehen können.
06.01.2025
Nachdem der Mainzer Atmosphärenchemiker Paul Crutzen 2002 das Konzept „Anthropozän“ in die Debatte eingeworfen hatte, ergänzten er und Will Steffen diese Idee wenige Jahre später um den Befund, dass die meisten geologisch nachweisbaren Veränderungen in den 1950er Jahren massiv Fahrt aufgenommen hatten. Diese „Große Beschleunigung“ differenzierte Will Steffen mit weiteren Kolleginnen und Kollegen noch einige Jahre später auch nach der Verantwortung von OECD- und anderen Staaten. Für Historikerinnen und Historiker ist diese Zeit der 1950er Jahre aber eher eine Erfolgsgeschichte: eine Geschichte von Nachkriegswirtschaftswundern und von mehr oder weniger erfolgreichen Integrationsprozessen in Nachkriegsgesellschaften mit Zuwanderungserfahrungen. Wie können wir den geologischen Befund der Großen Beschleunigung in den 1950er Jahren historisch erklären? Und wie hilft uns eine solche historische Kontextualisierung, um unsere eigenen Herausforderungen besser zu verstehen und damit in der eigenen Gegenwart handlungsfähig zu werden?
13.01.2025
Als vielleicht größte Gefährdung der Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen sowie der gesamten Natur stellt der Klimawandel auch ein umfassendes Gerechtigkeitsproblem dar. Emotionale Reaktionen wie „Klimaschuld“ oder „Flugscham“ deuten darauf hin, dass ein entsprechendes Unrechtsbewusstsein im Alltag vieler Menschen angekommen ist und dort seine nicht selten lähmenden Spuren hinterlässt. Schließlich ist alles, was man tut, immer zu wenig, ganz zu schweigen von dem, was man tut, wohl wissend, dass man es eigentlich nicht tun sollte. In der Vorlesung geht es um die Frage, ob es Ressourcen zum Umgang mit dieser Angst machenden Erfahrung gibt, worin diese bestehen und welche Rolle religiöse Überzeugungen dabei spielen könnten.
20.01.2025
„How far do we care?“ ist eine Frage, für die sich ein Teilbereich der Humangeographie, die sogenannten Moral Geographies interessieren. Geographische Distanzen spielen im Zuge der planetaren Krisenhaftigkeit unserer Ressourcen allerdings nicht mehr die zentrale Rolle, vielmehr hat die Idee entgrenzter globaler Verantwortung mittlerweile große Anerkennung gefunden. Der Vortrag diskutiert damit verbundene differenzierte Werte, Normen und Handlungsmöglichkeiten.
27.01.2025
In meinem Vortrag tauchen wir ein in die Welt des Wasserkreislaufs und beleuchten, wie der Klimawandel diese elementare Lebensader unseres Planeten bedroht. Dürreperioden und extreme Niederschläge häufen sich, strapazieren den Wasserkreislauf und gefährden die Verfügbarkeit von Wasser für Mensch und Umwelt. Die Verknappung von Wasserressourcen hat weitreichende Folgen: Trinkwassermangel, Ernteausfälle und Konflikte um diese kostbare Ressource zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Auch Ökosysteme leiden unter dem gestörten Wasserkreislauf. Feuchtgebiete trocknen aus, die Artenvielfalt schrumpft und die Funktionsfähigkeit natürlicher Systeme gerät ins Wanken. Doch es gibt Hoffnung! Wir sprechen über Lösungen, die eine nachhaltige Wassernutzung auch in einer sich verändernden Welt erlauben. Gemeinsam können wir eine „blaue Zukunft“ gestalten, in der Wasser für alle Menschen und Ökosysteme in ausreichender Menge und Qualität verfügbar ist.
03.02.2025
Die sogenannte EcoArt widmet sich ökologischen Themen und bildet ein eigenes künstlerisches Genre aus. Viele Künstler*innen der EcoArt befassen sich nicht nur mit dem Ist-Zustand ökologischer Zusammenhänge, sondern entwickeln Zukunftsszenarien: Was wäre, wenn? Nicht selten arbeiten sie dabei kollaborativ mit Expert*innen aus anderen Wissensbereichen zusammen. Dennoch unterscheiden sich ihre Szenarien von wissenschaftlichen Untersuchungen. Der Vortrag wendet sich einigen künstlerischen Projekten aus unterschiedlichen Weltregionen zu, die sich spekulativ mit dem Klimawandel, seinen Folgen und der ökologischen Krise auseinandersetzen und manchmal auch mit einem Augenzwinkern pragmatische Lösungsansätze zur Krisenbewältigung aufzeigen.
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